Dass die Schwerpunktarbeit samt Präsentation eine wichtiger Meilenstein für Dein gelungenes erstes Staatsexamen ist, ist eindeutig, auch wenn es je nach Bundesland unterschiedliche Erfordernisse gibt, von der schriftlichen Arbeit mit Präsentation bis hin zu einem Mix aus Hausarbeit, Klausuren und mündlicher Prüfung. Doch die Schwerpunktprüfung bedeutet noch viel mehr – dies werde ich in den folgenden drei Blöcken vertiefen:

  • Deine Visitenkarte…

Mit Deiner Schwerpunktarbeit samt Präsentation gibst Du auch eine Visitenkarte bei Deiner Professor*in ab, die Dich prüft. Hier kannst Du so punkten, dass Du im Idealfall ein Stellenangebot als studentische Hilfskraft oder später als Mitarbeiter*in bekommst. Und, was glaubst Du, wie Du zu einem Doktorvater oder zu einer Doktormutter kommst, wenn Du nicht hier diese einmalige Chance nutzt? Auch bei mir war es so, dass ich durch einen gelungenen Vortrag so punkten konnte, dass ich zunächst als studentische Hilfskraft und später dann als Doktorrand bei meinem sehr geschätzten Doktorvater tätig war. Ebenso verhält es sich bei den Top-Student*innen, die ich coache und die mit überdurchschnittlichen Ergebnissen ihren Vortrag abschließen. Bisher wurde so gut wie alle von ihrer Prüfer*in gefragt, ob sie für den jeweiligen Lehrstuhl tätig werden wollen und später promovieren wollen.

Bei den meisten Professor*innen ist es so, dass sie viel mehr Bewerber*innen für eine Promotion haben, als sie berücksichtigen können. Zudem wollen später viele Jurist*innen parallel zum ersten Job promovieren, wobei die Chancen hier genommen zu werden, geringer sind als bei Student*innen, so meine Erfahrung. Warum? Nun, frage Dich selbst: Was hat Dein Professor, Deine Professorin davon, wenn Du später parallel zum Job promovieren willst? Denkbar ist, dass das Uni-Engagement der bereits Berufstätigen eher geringer ist als bei Student*innen, die sich voll auf die Dissertation und Tätigkeiten für Ihren Doktorvater oder Ihre Doktormutter kümmern können. Jedenfalls war mein Doktorvater, der sehr viele Anfragen von Berufstätigen hatte, hier eher reserviert, was nachvollziehbar ist, da auch Du wahrscheinlich erst einmal den Menschen und seine Fähigkeiten kennenlernen möchtest, oder?

  • Erster Ausblick auf später…

Die Schwerpunktarbeit samt Präsentation ist auch eine gute Vorbereitung für Dein späteres Berufsleben. Stell‘ Dir vor, Du fängst als Richter*in oder Staatsanwält*in an. Vor allem juristische Laien unterschätzen, was engagierte Richter*innen und Staatsanwält*innen leisten; das Arbeitspensum ist enorm (Pensenschlüssel). Bei einem Dezernat bei der Staatsanwaltschaft, das sich etwa um alltäglich vorkommende Vergehen (z.B. Beleidigung, Diebstahl) kümmert, kann es sein, dass Du zwischen 300 und 500 Akten im Jahr bearbeiten musst. Oder stell‘ Dir vor, Du bist Berichterstatterin zu einem umfangreichen Fall bei Gericht – auch hier solltest Du in der Lage sein, Deinen Kolleg*innen das Geschriebene bei Besprechungen knapp und gleichwohl präzise erklären zu können. Ansatzweise ist es bei der Schwerpunktpräsentation ebenso: Du fasst Deine wesentlichen Kernaussagen und Ergebnisse in 20 Minuten Prüfungszeit zusammen. Insofern ist die Schwerpunktarbeit ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung, die Deinen Berufsalltag beherrschen wird.

  • Reden bis der Arzt kommt…

Der Aufbau des juristischen Studiums erscheint im Hinblick auf das Verhältnis von schriftlichen Arbeiten und mündlichen Prüfungen eher unglücklich, wenn man das spätere Berufsleben von Jurist*innen beleuchtet: Der ganz überwiegende Teil des Tages besteht aus Reden. Selbst Schriftsätze schreibst Du später nicht selbst – entweder Du diktierst sie oder nutzt die mittlerweilen sehr guten Spracherkennungsprogramme. Ansonsten redest Du viel, egal in welchem Bereich Du später tätig sein wirst: In Beratungen mit Mandant*innen, mit Kolleg*innen oder Bürger*innen. Du trägst bei Gericht mündlich vor, Du besprichst Dich mit Deinem Team usw. Auch insoweit sind mündliche Prüfungen an der Uni eine Chance, auch Deine rhetorischen Fähigkeiten zu verbessern. Nutze sie bitte.