Zugegeben, ein etwas reißerischer Titet, da die „perfekte“ (Schwerpunkt-)Präsentation von vielen Faktoren abhängt, die nicht gänzlich alle im eigenen Einflußbereich liegen. Gleichwohl werde ich in den folgenden Ausführungen die zehn wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche (Schwerpunkt-)Präsentation darstellen. Im kostenlosen Clip können Sie das Gegenteil verfolgen: „Die 10 tödlichsten Fehler bei einer Schwerpunktpräsentation“, je nach Geschmack.

In den letzten 30 Semestern habe ich zahlreiche Student*innen vor allem im Bereich der Schwerpunktpräsentation gecoacht und so einen guten Einblick in die Erwartungen der Prüfer*innen gewinnen können. Los geht‘s:

1. Operative, taktische und strategische Überlegungen


In jedem meiner Kurse frage ich Teilnehmer*innen, wie der Planungsstand für den jeweiligen Studienablauf aussieht: Freischuß ja oder nein, Abschichten, staatlicher Teil zuerst, zusätzliches (Frei-)Semester, Schwerpunkt zuerst, Gründe, Auswahlkriterien für den jeweiligen Schwerpunkt und Professor*in uvm. Selbst bei fortgeschrittenen Student*innen vermisse ich häufig eine stringente Planung, die über eine laxe Wochenplanung hinausgeht. Überlegenswert könnte sein: Welche Ziele verfolge ich konkret in diesem Semester? Welche Scheine erledige ich wann? Wann melde ich mich bei wem und warum zum Schwerpunkt an? Auch bei der Auswahl der Professor*innen ist sorgfältig abzuwägen, da es strengere und großzügigere Prüfer*innen gibt. Zudem gibt es Vorarbeiten für eine (Schwerpunkt)-Präsentation, die bereits im ersten und zweiten Semester erledigt werden können (z.B. das Erstellen des Folien-Masters).

2. Zeit- und Aufgabenmangement

Diese häufig fehlenden Vorfeldüberlegungen korrespondieren regelmäßig mit ausbaufähigen Kenntnissen im Zeit- und Aufgabenmanagement. Dieses Themenfeld, das bei Wahl der „richtigen“ Methode nachweislich viel Zeit sparen kann, wäre ein spannendes Unterrichtsgebiet, das zu lernen lohnenswert ist. Vor allem für Jurastudent*innen, die sich mit einem schier uferlos erscheinden Strom an Informationen beschäftigen müssen, wäre dies mehr als empfehlenswert, zumal auch die technische Unterstützung durch sinnvolle Tools bereits vorhanden ist (s. hierzu unser sehr wertvoller Kurs).

3. Thema der Arbeit und Tag 1

Regelmäßig fragen mich Student*innen, was sie – nachdem sie das Thema ihrer (Schwerpunkt-)Arbeit erfahren haben – nunmehr tun sollen. Diese Frage leite ich dann an alle Kursteilnehmer*innen weiter und was sagen wohl geschätzt 90 Prozent aller Anwesenden?

Entweder „googlen“ und/oder direkt in die Bücherei gehen.

Dies halte ich für suboptimal. Zum einen ist Google zwar DIE Suchmaschine, allerdings nicht unbedingt die Nr. 1 für das wissenschaftliche Arbeiten. Hierzu komme ich noch in einem gesonderten Punkt. Zum anderen kann das vorschnelle Finden von Aufsätzen, Urteilen oder anderer Quellen dazu führen, dass die Denkrichtung bereits sehr früh in eine bestimmte Richtung, wenn auch mitunter unbewusst, gelenkt wird.

Mein Tipp: Am ersten Tag empfehle ich, auch wenn es jetzt heftig klingt, ein ganz altes, analoges Instrument: Selbst denken, Ideen sammeln, ohne Schere im Kopf, ohne zu bewerten und alles notieren, was Ihnen einfällt.

Hierfür haben sich zwei Vorgehensweisen bewährt:

Die eine kommt ohne Technik aus und bedarf nur eines Stapels Post-It-Zettel und einer weißen Wand. Jede Idee zum Thema kommt auf einen Post-It-Zettel und wird (jetzt noch unsystematisch) an die Wand geklebt. Je nach Wissensstand wird auch eine größere Wand recht schnell voll mit Zetteln sein. Diese Ideen bitte sacken lassen.

Die andere Methode bedarf eines Tools, das ich gerne auch bei komplexeren Projekten nutze: Den Mindmanager. Hiermit kann ich Gedankengänge samt Verästelungen beliebig aufploppen oder wieder schließen lassen, je nach Bedarf. Übrigens: Mit diesem Programm haben Student*innen von mir sehr beeindruckende Präsentationen gehalten. Je nach Thema, je nach Professor*in und Ihren Vorlieben kann dieses Programm eine willkommene Ergänzung zum klassischen Power Point sein. Am ersten Tag können Sie auch hiermit Ihre Ideen sammeln – ohne vorschnell zu gewichten.

Daneben haben sich auch folgende Programme bewährt, je nach Anliegen: MindMeister ist gut, wenn man wirklich nur MindMaps erstellen, und diese sehr einfach, gleichzeitig und gemeinsam bearbeiten können möchte. XMind ist empfehlenswert, wenn man eine deutlich komplexere Informationslage bewältigen muss, und mehr als nur MindMaps zur Strukturierung braucht. Draw.io ist brauchbar, wenn die Visualisierung von Informationen im Vordergrund steht, und diese in verschiedenen Formen weiterverwendet werden können sollen.

4. Thema der Arbeit und Tag 2 bis 5

Am zweiten Tag gehen Sie Ihre Ideen durch und versuchen, diese zu strukturieren und stellen genauere Überlegungen an, wo mögliche Schwerpunkte Ihrer späteren Ausarbeitung liegen könnten. Hier können Sie die gelernte Methodenlehre und Ihr juristisches Handwerkszeug einsetzen. Nach und nach sollte sich eine stringente Struktur erkennen lassen. Auch hier bitte langsam und sorgfältig arbeiten. Meine Beobachtung ist, dass eher Anfänger zu schnell zu viel wollen. Das Schreiben der Schwerpunktareit selbst ist – sofern eine saubere Systematik und Logik vorhanden ist – doch nicht das Kernproblem, oder? Je nach Schwierigkeitsgrad und Vorwissen sollte spätestens am fünften Tag eine erstklassige Gliederung stehen, die erkennen läßt, wo und warum welche Schwerpunkte gesetzt werden. Danach geht es hiermit weiter:

5. Professionelle Internetrecherche

Das Bedienen von Beck-Online und juris ist schon gut; optimal wäre eine Ergänzung durch Profi-Such-Techniken, welche die Recherche in Suchmaschinen, die für das wissenschaftliche Arbeiten besonderes geeignet sind, mitumfasst. Weil dieses Thema, ebenso wie die seriöse Suche im deep- und darknet zu umfangreich für diesen Beitrag ist, habe ich speziell für Jurastudent*innen zusammen mit einem Top-Experten einen Videokurs entwickelt, den Sie hier auf www.studentenbildung.de finden.

6. Neurowissenschaften und Rhetorik

Das spannende Feld der Neurowissenschaften kann im Bereich der Rhetorik gewinnbringend eingesetzt werden. Hierzu nur einige, kurze Tipps:

Der Arbeitsspeicher von uns Menschen ist begrenzt – zudem nehmen wir nur einen Bruchteil von dem, was wir am Tag erleben, bewusst wahr. Ob die Zahl dabei bei 0,1 Prozent, wie der Bremer Gehirnforscher Roth meint, liegt oder etwas höher, mag dahinstehen, jedenfalls sind die Werte übersichtlich. Dies hat Folgen auch für Ihren Vortrag: Bitte ein angemessenes Redetempo wählen, damit Ihre Zuhörer*innen folgen können. Diesen Satz würde ich gerne wiederholen:

Bitte ein angemessenes Redetempo wählen.

Warum? Weil ich bei ganz vielen Probevorträgen erleben musste, dass zu viele Informationen zu gehetzt vorgetragen wurden. Nachvollziehbar ist dies schon: Sie haben sich wochenlang auf ein Thema vorbereitet und sind jetzt fachlich gut aufgestellt. Jetzt wollen diese gesammelten Informationen raus und dies wegen der Kürze der Vortragszeit auch schnell. Nein. 20 Minuten Vortragszeit heißt nicht, sie zu nutzen, um komprimiert Ihre gesamte schriftliche Ausarbeitung zu wiederholen. Weniger ist Mehr. Setzen Sie bitte Schwerpunkte. Wenn es zu den Kernbotschaften kommt, bitte Tempo rausnehmen und mit Pausen arbeiten.

Die Pause ist DAS unterschätzte rhetorische Stilmittel. Was heißt nun „angemessenes“ Redetempo konkret? Hier schildere ich zunächst eine Dilemma: Die normale Sprechgeschwindigkeit liegt bei ca. 200 – 250 Silben in der Minute. Über 350 Silben ist schnell gesprochen. Spricht jemand schnell, gilt er eher als kompetent, behaupten amerikanische Wissenschaftler. Diese These halte ich dann für haltbar, sofern es um „normale“ Kommunikation geht. Bei Fachvorträgen befürchte ich, dass dieses Tempo Zuhörer*innen überfordern kann. Hier wirken nach meiner Wahrnehmung Vorträge, die zumindest bei wichtigen Passagen Tempo herausnehmen, souveräner.

Die optimale Satzlänge liegt zwischen 13 und 17 Wörtern (vgl. zur Silben- und Wortzahl: M. Reiter, Neurorhetorik, 2. Aufl. 2010). Juristen könnten ziemlich lange und verschachtelte Relativsätze bilden und verstehen. Allerdings wirken kürzere Sätze attraktiver.

Bei Thema „gutes“ Deutsch noch die Bitte eher Aktiv- als  Passivkonstruktionen zu wählen und eine sprachliche Juristenkrankheit zu meiden: Den Nominalismus. Verben, auch wenn sie nur ca. 20 Prozent des Wortschatzes ausmachen, sind stark.

7. Medieneinsatz

Dieser Block beinhaltet einen weiteren wichtigen Baustein für eine „perfekte“ Präsentation. Häufig beobachte ich, dass mit Standard-Vorlagen und ohne Einsatz des Folienmasters gearbeitet wird. Dies wirkt wenig ambitioniert, auch wenn die neueren Vorlagen bei Power Point durchaus ansprechend erscheinen. Stellen Sie sich jedoch vor, dass mehrere Prüflinge dieselbe Vorlage benutzen…

Um zu verstehen, was ich unter einem gelungenen Medieneinsatz verstehen, zeige ich eine „Evolution“ einer Folie. Zur Erläuterung vorab: Die Studentin, die zu diesem Thema eine hervorragende schriftliche Arbeit abgegeben hatte, kam zu mir, um ihren Vortrag zu üben. Zugegeben, Sie hatte aufgrund nachvollziehbarer Gründe, wenig Zeit für die Vorbereitung. Gleichwohl waren ihre Folien wenig gelungen. Folie 1 zeigt den ersten Aufschlag der Studentin, Folie 2 zeigt eine deutliche Überarbeitung, die eher an konservative Prüfer gerichtet ist und Folie 3 zeigt eine moderne Fassung im 16:9 Format. Machen Sie sich als Leser*in ein eigenes Bild und schauen Sie bitte, ob Sie Folie 3 so hinbekommen hätten. Falls nicht, wäre es Zeit dies zu ändern:

Folie 1: So ist es gruselig (Original-Folie)
Folie 2: Überarbeiteter Entwurf (viel besser)
Folie 3: Überarbeitete Fassung (modern, 16:9)

Die wichtigsten Voreinstellungen im Bereich des Folienmasters können Sie bereits im ersten oder zweiten Semester vornehmen. Hier erstellen Sie eine Art Blanko, das die wichtigsten Vorgaben enthält (u.a. eigenes Design, Schriftart, Schriftgröße, Anzahl der Gliederungspunkte und Logo ihrer Uni). Eine Uni’s haben eine Vorlage für Präsentationen erstellt – bitte fragen Sie hierzu bei Ihrem Dekanat nach.

Hier weitere Tipps:

Bei 20 Minuten Vortragszeit (bitte in Ihr Landesrecht schauen) empfehle ich, nicht mehr als acht bis zehn Folien – Titelmaster nicht mitgezählt – zu entwerfen. Power Point & Co. sind Stichwortzettel und „nur“ nützliche tools.

Arbeiten Sie mit der Dual View, da Sie dann die kommenden Folien, eine Stoppuhr und ein Notizenfeld sehen und bearbeiten können. Das Notizenfeld kann Karteikarten ersetzen, so dass Sie nur in der einen Hand einen Presenter halten und mit der anderen Hand freier Ihre Körpersprache unterstützen können.

Elegant kann ein Medienwechsel wirken: So können Sie z.B. Ihre Agenda auf Flipchart schreiben und gleichzeitig Power Point nutzen. Sobald ein Punkt hiervon abgearbeitet ist, setzen Sie einen Haken hinter der Aufzählung am Flipchart und kehren zu Power Point zurück.

Sofern Zwischenfragen in Ihrer Prüfung vorkommen, können Sie darauf reagieren, indem Sie die Taste b oder die Taste w drücken, so dass der Bildschirm schwarz oder weiß wird, ohne dass Sie Präsentation verlassen. Ist die Frage beantwortet kehren Sie auf demselben Weg in die Präsentation zurück.

Mit Animationen würde ich sehr zurückhaltend arbeiten – testen Sie bitte im Vorfeld, ob diese notwendig sind. Denkbar wäre z.B. dass Sie eine Frage animiert erscheinen lassen, die für Ihre Präsentation entscheidend ist und Sie sie dann mit einem Meinungsstreit und Ihrer Lösung versehen.

Ein Instrument, das aus meiner Sicht unterschätzt wird, ist der Hyperlink, da er mehr als eine bloße Verweismöglichkeit auf eine weiter Quelle sein kann: Eine Studentin hatte einen Vortrag, dessen Dreh- und Angelpunkt eine bestimmte Norm aus der BRAO (Bundesrechtsanwaltsordnung) war. Sie hat den kompletten Vortrag über eine Zentralfolie mit dort eingebauten Hyperlinks gesteuert. Sie hat die Folie zweigeteilt: Auf der linken Seite stand der Wortlaut der Norm, auf der rechten Seite die Auslegungsmethoden. Hinter jeder Auslegungsmethode war ein Hyperlink eingebaut, so dass sie danach immer wieder auf ihre Zentralfolie zurück kam, sobald sie eine Auslegungsmethode abgeschlossen hatte. Dies war einfallsreich kam auch beim prüfenden Professor gut, im wahrsten Sinne des Wortes, an.

Ein Handout würde ich immer verteilen – vielleicht mit zwei Folien pro Seite und Textfeldfunktion. Zudem würde ich auf einer Seite eine Zusammenfassung der wichtigsten Kernbotschaften bringen, mit sehr wenigen Verweisen auf Urteile, Aufsätze o.ä.

8. Redeeinstieg, Gliederung und Redeschluß

Eine 08/15 Redeeinstieg – Begrüßung und Nennen des Themas – ist nicht verkehrt, jedoch wenig innovativ. Der Redeeinstieg ist eine große Chance für einen ersten, positiven Eindruck, so dass er wohl überlegt sein sollte. Nochmals: Es hängt von Ihnen und Ihrem Thema ab, welcher Einstieg der „richtige“ ist, so dass auch der konservative Einstieg ohne weitere rhetorische Stilmittel wunderbar funktionieren kann.

Anhand von zwei Beispielen zeige ich, wie Student*innen mit einer anderen Vorgehensweise überzeugen konnten:

Ein Student hatte das Thema: „Vergleich des us-amerikanischen Schadenersatz- und Schmerzengeldanspruches mit deutschem Recht“. Danach zeigte er folgende Grafik, die sofort ein „Klick“ in Ihrem Gehirn auslösen wird:

Quelle: https://pixabay.com/de/photos/schild-werbeschild-neonschild-167582/

Sofort sind Sie beim McDonalds-Fall und der Student war sofort im Thema. Übrigens zeigte er während der Prüfung neben guten juristischen Kenntnissen auch noch Humor: Er zeigt eine Aufschrift, die auf kanadischen Kaffeebechern einige Zeit nach diesem Fall zu lesen war: „Kanadier wissen, dass Kaffee heiß ist.“ Herrlich.

Das zweite Beispiel hatte es sich vom Schwierigkeitsgrad in sich: Die Studentin hatte einen Sterbehilfeverein mit Sitz in der Schweiz nach bestimmten Punkten gutachtlich zu prüfen. Sie begann wie folgt:

„Ich komme zu folgendem Ergebnis: Der Verein D. muss verboten werden!“.

Sehr gut. Eine starke Ich-Botschaft, das Ergebnis vorweg und ein Imperativ, den wir eher selten verwenden, weil er sehr schroff wirken kann. Damit stand auch ihr Redeschluss:

„Daher habe ich Recht: D. muss verboten werden!“ Dies kam auch bei der Prüferin gut an.

Beim Redeschluss bitte nicht: „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“. Warum nicht? Bedanken ist höflich, kein Thema. Allerdings bedanken Sie sich für etwas, das selbstverständlich ist: Die Aufmerksamkeit. Sie befinden sich in einer staatlichen Prüfungssituation, an deren Ende ein Ergebnis, ein Verwaltungsakt, steht, das auch gerichtlich überprüfbar ist. Hierfür wollen Sie sich bedanken?

Meine Empfehlung für den Redeschluss ist unspektakulär: Fassen Sie Ihre drei bis fünf Kernbotschaften zusammen und bedanken Sie sich – jedoch nicht für die Aufmerksamkeit.

9. Körpersprache


Eine „gute“ Körpersprache ist diejenige, die Ihnen hilft, mit der Prüfungssituation besser umzugehen, sie selbstbewusster und zugleich entspannter macht. Tatsächlich ist das Üben einer „guten“ Körpersprache ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zur „perfekten“ Präsentation. Dies fängt mit dem „richtigen“ Stand an. Für den Einstieg empfehle ich einen eher „konservativen“ Stand: Die Beine sind parallel, etwa hüftbreit aufgestellt. Der Vorteil ist, dass Sie „geerdet“ wirken. Der Nachteil ist, dass dieser Stand wenig dynamisch wirkt. Nach dem Einstieg können Sie wechseln: Nehmen Sie 100 Prozent des Gewichts auf das hintere Bein und dementsprechend kein Gewicht auf das vordere Bein. Dieser Stand ermöglicht ein Wechsel zwischen Spiel- und Standbein und wirkt „lebhafter“. Für Kandidat*innen, die weniger selbstbewusst sind, empfehle ich den „Türsteher-Stand“, also richtig breitbeinig. Wirkt zunächst befremdlich, gibt jedoch bei steter Übung mehr Selbstbewusstsein.

Sie können sogar Körpersprache nutzen, um Meinungsstreitigkeiten besser darzustellen. Wie? Nun, durch einen Platzwechsel. Sie können sich z.B. weiter links stellen und von der früher herrschenden Meinung sprechen, dann in die Mitte um über den gegenwärtigen Stand und eine Stück weiter rechts um einen Ausblick auf kommende Änderungen, Anpassungen oder Ihre Meinung kundzutun.

Wenn Sie eine wichtige Aussage durch eine Geste unterstreichen, folgende Empfehlung: Lassen Sie bitte die Geste länger andauern als Ihren Satz. Dadurch wird Ihre Aussage bekräftigt.

Weiter beobachte ich, dass viele Männer am Anfang des Kurses – auch von der Körpersprache – selbstbewusster erscheinen, obwohl sie bei IQ- und EQ-Tests, die ich ab und zu durchführe, immer schlechter abschneiden als Frauen, mindestens im Bereich der Emotionalen Intelligenz. Was sagte eine Rhetorik-Trainerin dazu: „Männer können mit Überzeugung über Themen sprechen, von denen sie gar keine Ahnung haben“. Stimmt [1]. Dies heißt nun nicht, dass Frauen die Körpersprache von Männern übernehmen sollen. Allerdings hilft ein selbstbewussteres Auftreten in Prüfungssituationen sehr.

10. Umgang mit Angst und Blackout

Allein dieser Punkt wäre einen eigenen Aufsatz wert, weil Prüfungsangst und Blackout viele Student*innen betreffen können. Vor allem bei den ehrgeizigen und sehr selbstkritischen Kandidat*innen beobachte ich, dass sie sich häufig ihres schon guten Auftritts wenig bewusst sind und sich eher selbst im Wege stehen. Daher lasse ich in meinen Kursen eine kurze Rede der Teilnehmer*innen von allen bewerten, wobei wir freundlich, jedoch in der Sache ehrlich miteinander umgehen. Nach dem Kurs, so mein Eindruck, wird den meisten Student*innen deutlicher, dass gute Vorträge zu halten kein Hexenwerk ist und sie besser sind als sie gedacht haben.  

Die schlechte Nachricht: In hunderten von Coachings habe ich ganz wenige Rhetorik-Talente getroffen [2]. Die gute Nachricht: Ein guter Vortrag ist reine Fleißarbeit im Vorfeld. Alle Kandidat*innen, die mit einer „guten“ Note bestanden haben, schilderten, dass sie ihren Vortrag 12, 15, 20 x geübt hatten; vor jeweils unterschiedlichem Publikum, alleine, vor der Kamera und in meinen Kursen. Je häufiger der Vortrag geübt wird, umso geschmeider die Übergänge, umso geringer die Gefahr eines Blackouts. Wie wollen Sie bei 19:30 Minuten landen, wenn das Ihr Ziel ist, bei einer maximalen Redezeit von 20 Minuten, ohne dies zu üben? Eine Studentin, die krankheitsbedingt, erst bei mir zum ersten Mal ihre Schwerpunktpräsentation vortrug, war viel zu schnell und landete bei 15:28 Minuten. Kein Wunder. Zum Glück hatte sie bis zum Prüfungstermin noch einige Wochen und hat dann auch erstklassig bestanden.

Weiterhin empfehle ich, dass Sie Ihr Vortragsthema einem Laien in wenigen Sätzen erklären können (elevator-test). Tatsächlich lasse ich als Übung und Feedback einen Kursteilnehmer die vortragene Übungs-Schwerpunktpräsentation zusammenfassen: Selbst für sehr gute Student*innen ist dies sehr anstrengend, für den Prüfling jedoch ein guter Lackmus-Test: Worum geht es bei der Präsentation und was sind die Kernbotschaften? Klappt dies nicht, liegt es ganz überwiegend am Vortragenden.

Falls Sie doch ein Filmriss während des Vortrages ereilt, stelle ich drei mögliche Vorgehensweisen vor:

Erstens: Sie geben den Blackout zu. Allerdings aus meiner Sicht nicht mit einer „Entschuldigung“, sondern mit den Worten: „Sehen Sie es mir nach…“ Warum? Durch das Wort „Entschuldigung“ begeben Sie sich in dieser unangenehmen Situation in eine devotere Haltung. „Sehen Sie es mir nach“ bedeutet gleiche Augenhöhe. Schauen Sie auf die Karteikarten oder auf die dual view und machen Sie dann weiter.

Zweitens: Sie starten ein Ablenkungsmanöver und sagen: „Bevor ich zum nächsten wichtigen Punkt komme, wäre mir lieb, dass jemand den letzen Punkt zusammenfasst.“ Dann schauen Sie in die Runde. Dies kann gutgehen, muss es jedoch nicht, wenn Sie die übrigen Teilnehmer*innen hängen lassen, was nicht zu hoffen ist.

Drittens: Für die Pokerspieler unter Ihnen kommt jetzt ein Bluff. Sie können etwa sagen: „Bevor ich fortfahre, wiederhole ich einen wichtigen Teil“. Wenn Sie etwa auf Folie Nr. 6 den Filmriss hatten, starten Sie einfach bei Folie Nr. 6 von Anfang an neu. Merkt niemand, wenn Sie dies selbstbewusst machen.

Soweit zu meinen Tipps.


Fussnoten

[1] Korken so zwischen den Lippen halten, dass Sie gleichwohl etwas vorlesen können und ein Mensch im Nebenraum dies gleichwohl verstehen kann.
[2] Hier gibt es viele Übungen, die Sie im Internet finden können. Falls Sie Tai-Chi oder Yoga praktizieren beherrschen Sie dies bereits.